{Nützliche Informationen}


1. Feuerschweißen

- zu verschweißende Metallteile müssen nicht metallisch blank sein, mit der Drahtbürste säubern genügt (wenn frei von Rost)
- das Feuer muss sauber durchgebrannt sein
- die Luft vom Gebläse darf das Werkstück nicht direkt treffen
- erhitzen auf mittlere Rotglut
- bestreuen mit Schweißpulver(*)
- das Schweißpulver hat die Aufgabe, die Schweißstelle vor Luftzutritt abzuschirmen, so dass kein Zunder mehr entstehen kann
- weitererhitzen bis auf Schweißtemperatur (die ersten Funken sprühen auf)
- von der Mitte der Schweißstelle ausgehend mit mäßig starken Schlägen zum Rand hin verbinden
- nochmal bestreuen und nochmal verschweißen (jetzt mit starken Schlägen)

(*) Quartzsand, Borax, oder 9 Teile Borax und 1 Teil Ammoniumchlorid (Salmiak)


2. Lagenstahl - Damaststahl

- eigentlich "nur" ein mehrfaches Feuerschweißen :)
- Päckchen bauen: außen jeweils eine Lage kohlenstoffarmer Stahl, dazwischen immer wechselseitig die anderen Lagen

. zur Erklärung: 0 - kohlenstoffarmer Stahl, 1 - kohlenstoffreicher Stahl, 2 - Nickelstahl
. Beispiel 1: nordische Klinge (3 Lagen): 0 - 1 - 0
. Beispiel 2: einfacher Damast (7 Lagen): 0 - 1 - 0 - 1 - 0 - 1 - 0
. Beispiel 3: dekorativer Damast (7 Lagen): 0 - 1 - 2 - 1 - 2 - 1 - 0

- das Päckchen für den Anfänger sollte nicht länger sein, als zweimal die Größe der Hammerbahn (also ca. 4 x 8 cm)
- Päckchen an den Schmalseiten elektrisch verschweißen (heften) und einen Rundstahl als Handgriff anschweißen
- wie oben beschrieben, zweimal über die Fläche feuerschweißen, erst danach mit dem ausschmieden beginnen (zuerst längs, dann hochkant)
- Päckchen auf halbe Dicke und doppelte Länge ausschmieden
- Päckchen mit Meißel oder Abschrot zur Hälfte durchtrennen, Zunder entfernen und die Hälften aufeinander klappen
- erneut verschweißen - und beliebig oft wiederholen :)

- so entsteht "wilder Damast", wird das verschweißte, einmal ausgeschmiedete Packet verdreht (tordiert) variiert das Muster
- über die Steuerung des Damastmusters sind ganze Bücher geschrieben worden...

- die Damast-Maserung wird sichtbar durch: wiederholtes, immer feineres Schleifen (wie bei japanischen Schwertern) oder Ätzen(*)
- Stahl mit hohem Nickelgehalt wird beim Ätzen als heller Streifen, Stahl mit viel Kohlenstoff als dunkler Streifen sichtbar
- vor dem Ätzen muss die Klinge bereits fix und fertig sein (Schliff, Vorpolitur, Wärmebehandlung...)
- in Intervallen ätzen (jeweils wenige Minuten), bis die Maserung fühlbar ist
- die entstehende schwarze Schicht mit viel Wasser und Bürste abwaschen, dann Klinge polieren

- (*) mit Eisen-3-Chlorid (gibts in Elektronik-Geschäften zum Leiterplatten ätzen) oder Schwefelsäure (im Automobil-Zubehör als Batteriesäure)


3. Wärmebehandlung

- nur wenn man weiss, welchen Stahl man verwendet, kann man Härte- und Anlaßtemperatur richtig bestimmen
- hilfreich und absolut empfehlenswert ist das "Stahlschlüssel-Taschenbuch"

- NORMALISIEREN: nach dem Schmieden müssen die hineingeschlagenen Verspannungen durch
mehrfaches (2-3 mal) vorsichtiges Erwärmen (mittlere Rotglut) und langsames Abkühlen
(in einem Eimer mit Sand/Asche oder neben dem Schmiedefeuer) aus dem Werkstück raus

- HÄRTEN: dazu wird das Werkstück erhitzt (zBsp. helle Rotglut) und abgeschreckt
- in Wasser ist die Abkühlung stark, Damast zeichnet dann besser, in Öl ist die Wirkung milder
- beim Abschrecken einer Messerklinge diese eintauchen, als ob man das Wasser/Öl zerschneiden will und dann vor- und zurück bewegen
- der beim Erhitzen entstandene Zunder sollte zum großen Teil abgeblättert sein
- eine Kante der Messerklinge sollte nun Glas anritzen können!
- auch eine gute Feile sollte ohne Wirkung über die gehärtete Fläche rutschen
- die Klinge ist nun "glashart" - ein kräftiger Schlag und sie zerbricht!

- ANLASSEN: je höher die Anlaßteperatur, desto elastischer ist die Klinge aber die Schnitthaltigkeit nimmt ab
- diese Temperatur stellt man am heimischen Backofen ein und beläßt die Messerklinge eine Stunde darin

- als Alternative erhitzt man ein großes Stahlstück auf helle Rotglut und zieht die metallisch blankgeputzte Klinge mit dem Rücken darüber
- dabei kann man die Anlaßfarben von der Hitze her zur Schneide wandern sehen - und zieht die Klinge ein Stück weiter,
wenn die gewünschte Farbe zu sehen ist


4. Bilder

<-- anhand der Farbe des glühenden Metalls die Temperatur erkennen

<-- hier die Glühfarben zum Normalisieren

<-- und hier noch die Anlaßfarben


5. Härtetemperatur mittels Magnetpunkt bestimmen

Bei der Erwärmung von Stahl verändert sich das mikrokristalline Gefüge oberhalb einer bestimmten Temperatur,
so dass das Material plötzlich unmagnetisch wird. Das ist auch die richtige Temperatur, um mit dem Härten zu beginnen.
Wer also nicht rein nach Augenmaß anhand der Glühfarben die richtige Temperatur abpassen will, hält einfach einen Magnet ans Metall.


6. Wirkung einiger Legierungsbestandteile von Stahl

Kohlenstoff:
Hauptlegierungsbestandteil von Stahl, macht Stahl härtbar (ab 0,3%) und zugfest.
Über 2 Prozent Kohlenstoffanteil spricht man von (Guss-)Eisen.
Eine Ausnahme bilden hier pulvermetallurische Stähle.

Chrom:
Mehr als 12 Prozent Chrom machen Stähle rostbeständig durch eine Oberflächenschicht aus Chromoxid.

Nickel:
Zusätze an Nickel erhöhen die Zähigkeit des Stahls.
So kann eine Legierung, die 25 Prozent Nickel enthält – ohne zu reißen – auf die doppelte Länge ausgezogen werden.
Stähle, die Chrom und Nickel enthalten, sind besonders zäh, hart und korrosionsbeständig.

Mangan:
Ein Zusatz von bis zu 22 Prozent Mangan erhöht die Verschleißfestigkeit und die Zähigkeit des Stahls.
Solche Stähle werden häufig als Baustähle verwendet.

Vanadium:
Zusätze von Vanadium verbessern die Zähigkeit von Bau- und Werkzeugstählen.

Wolfram:
Setzt man einem Stahl Wolfram zu, wird er auch bei Rotglut nicht enthärtet.
Solche Stähle verwendet man zur Herstellung heiß werdender Werkzeuge (Warmarbeitsstahl).

Silizium:
Silizium als Legierungsbestandteil mit 10 bis 13 Prozent führt zur Säurebeständigkeit des Stahls - auch Obst enthält Säure ;-)
Erhöht die Elastizität (Federstahl).

Schwefel:
Macht Stahl brüchig, vermindert die Schmiedbarkeit.
Daher den Stahl erst dann in das Schmiedefeuer einlegen, wenn das Feuer durchgebrannt ist und kein gelber Qualm mehr entsteht.

Edelstähle:
Stahl mit Beimischungen von etwa 20 Prozent Chrom, 8 Prozent Nickel, 0,2 Prozent Silizium, 0,2 Prozent Kohlenstoff und 0,2 Prozent Mangan bezeichnet man als „V2A Stahl“ (von: "Versuchsschmelze 2A" der Fr.Krupp AG Essen von 1912)
Er ist rostfrei und korrosionsbeständig gegen Luftfeuchtigkeit und Wasser sowie unempfindlich gegenüber Säuren und Laugen.

Stahl, in dem als Beimischungen etwa 0,95 Prozent Chrom und 0,2 Prozent Molybdän enthalten sind, wird für Flugzeug- und Raketenteile verwendet.

Stahl mit etwa 0,95 Prozent Chrom und 0,18 Prozent Vanadium wird zu Zahnrädern oder Kardanwellen verarbeitet.

Bei einem Nickelanteil von circa 36 Prozent spricht man von „Invarstahl“, aus dem zBsp. Messinstrumente gefertigt werden.

In „Schnellarbeitsstahl“ sind ungefähr 18 Prozent Wolfram, 4 Prozent Chrom und 1 Prozent Vanadium enthalten.
Schneidewerkzeuge aus diesem Material sind extrem hart und hitzebeständig bis zu einer Arbeitstemperatur von 600 Grad Celsius.


7. Inhaltsstoffe einige typischer Messerstähle:

420 / 440A / 440C
1.4110
12C27
C75 / C85
Tabelle -->


8. weiterführende Literatur:

Roman Landes: Messerklingen und Stahl
Havard Bergland: Messer schmieden
Lars Enander: Schmieden lernen
Wayne Goddard's: $50 Knife Shop
Hundeshagen: Der Schmied am Amboss (antiquarisch)
Hundeshagen: Kleinschmieden (antiquarisch)
ausführliche Informationen (zBsp über den Stahlschlüssel) findet ihr auch im "Messerforum" - siehe Linkliste
im Zeitschriftenhandel: Messer Magazin

Guten Gelingen wünscht
- fabricus -
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