{Bauanleitung für Wendegenähte Halbschuhe}


Wendegenähte Schuhe sind teuer - es sei denn, man näht sie selbst :-)
Auf die hier beschriebene Weise kosten euch die Schuhe weniger als 10 Euro und ca. 5 Stunden Arbeitszeit.

Es gibt im Internet jede Menge Anleitungen zu Schuhe machen.
Was mir bisher fehlte, war eine verständliche, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Daher habe ich mich entschlossen, selbst etwas zu verfassen.

Jeder Schuh besteht aus 2 Teilen: der Sohle und dem Schaft.
Diese werden "auf links" zusammengenäht und dann gewendet - daher der Name.
Die Schnürung liegt auf der Innenseite des Fusses.

Hier meine Liste, was ich alles zum Schuhe nähen brauche:

1. Werkzeug:
sehr scharfes Messer
Schere (nur für das Schnittmuster)
Ahle (zum Nahtlöcher vorstechen)
2 stumpfe Stopfnadeln / Sattlernadeln
Holzstab (Kochlöffel)
Brett (als Unterlage zum Leder schneiden)
Weichholz-Brettchen (als Unterlage beim Löcher stechen)
Edding oder Filzschreiber
Lochzange
Klebstoff (für Leder geeignet zBsp. UHU Kraft lösemittelhaltig)

2. Material:

- für das "Schnittmuster"
Stoff, ca. 30*50 cm; möglichst steif; nicht schwarz (sonst sieht man die Linien vom Edding nicht)
dünne Pappe (ein wenig breiter und ca. 10 cm länger als Dein Fuß)

- für den Schuh
Leder (ca. 50*60 cm; 1,5 mm stark und weich / flexibel)
Nähfaden (zBsp "Leinen-Kärtchenzwirn")
Schuhbänder (ca. 45 cm, dünn, rund)
"ein Maul voll" Öl (zBsp Olivenöl, um das Leder zu imprägnieren)

Wenn ich von der "Narbenseite" des Leders spreche, ich das die glatte Seite, die später aussen sein soll.
Die Fleischseite ist also die rauhe, "fusselige" Seite, sie liegt dann innen im Schuh.

3. Arbeitsablauf:
(auf die kleinen Bilder clicken für größere Ansicht)

Auf die Pappe wird der Umriß von Deinem Fuß aufgezeichnet,


mit einer schönen, langen Spitze dran.


Der Fuss wird auf die Pappe gestellt, jetzt kommt der Schaft dran.


Der Stoff wird um den Fuß rumgelegt


und der Umriß der Papp-Sohle mit dem Edding aufgezeichnet
- deswegen also kein schwarzer Stoff.


Dabei soll der Stoff faltenfrei anliegen - von der Innnenseite des Fusses hinten
um Ferse, vor zur Spitze und zurück zur Ferse.

Beim Abnehmen des Stoffs sollte dieser Umriss zum Vorschein kommen:


Sinnvoll ist, beim Maßnehmen dicke Socken zu tragen, damit der Schuh nicht zu eng wird.
Wer empfindliche Füße hat, sollte zusätzlich eine Einlegesohle unterlegen.
Die Öffnung oben am Schuh in Richtung Bein nicht zu weit anzeichnen, sonst sitzt der Schuh zu locker.

Wenn jetzt das Schnittmuster am Fuss angelegt wird, sind letzte Korrekturen möglich.


Nun wird der Schnitt auf das Leder übertragen.


Sohle und Schaft müssen jeweils zweifach ausgeschnitten werden.
Also: Schnittmuster einmal auflegen und anzeichnen, Schnittmuster umklappen und nochmal aufzeichen.

Damit hat man 2 spiegelbildliche Sohlen und 2 Schäfte.

Zum Ausschneiden der Lederstücken habe ich ein eigenes Messer gemacht,
oder man nimmt ein dünnes Messerchen mit einer sogenannten Abbrechklinge.


Man kann nun einfach Sohle und Schaft Spitze auf Spitze zusammenlegen und losnähen
- Narbenseite auf Narbenseite!


Ich klebe beide Teile aufeinander, dann verrutscht nix mehr.


Während der Klebstoff antrocknet, kann man den Nähfaden ablängen.
Der Faden sollte dreieinhalb- bis viermal so lang sein, wie die Naht.
(hier ist zu sehen, wie lang EINE Naht ist!)


Die Nahtlöcher werden mit einer Ahle vorgestochen.
(5 mm Abstand zueinander, 4 mm Abstand zum Rand)
Ich steche nicht die ganze Naht sondern immer kleine Abschnitte
- die Löcher schliessen sich nämlich wieder.


Natürlich könnte man die beiden Lederteile auch direkt zusammennähen
- wenn man spitze Nadeln und Fingerkuppen aus Stahl hat ;-)
Mit den stumpfen Nadeln verringert man aber die Gefahr, durch den Faden zu stechen.

Der Faden wird durch ein Stück Bienenwachs gezogen, um ihn haltbarer zu machen.


Als Stich verwende ich den "Zwiefachen" oder "Schusterstich".
Auf jede Seite des Fadens wird eine Nadel gefädelt und immer gegeneinander durch das Leder gestochen.
Ausser beim ersten Loch laufen also 2 Fäden durch jedes Loch.


Die Naht beginnt an der Ferse, läuft um die Spitze und endet (vorläufig) wieder an der Ferse.
Die Nadeln bleiben noch eingefädelt!


Der Schuh muss nach dem Nähen gewendet werden.
Um die Spitze richtig durchzudrücken brauchst Du den Holzstab.
Das ist die Stelle, an der das Sprichtwort sagt:
Umgekehrt wird ein Schuh 'draus.


Das Leder darf dafür nicht zu dick und nicht zu steif sein, sonst geht das nicht.
Solltest Du versehentlich zu dickes Leder erwischt haben, kann man versuchen, es naß zu machen
(15 min in einen Eimer lauwarmes Wasser) und dann zu wenden.

Rein subjektiv musst Du beim Einkaufen das Gefühl haben: "dieses Leder ist zu dünn,
da wird nie ein gescheiter Schuh draus" - dann ist es genau richtig :)

Nun wird die Naht noch 1 bis 2 Zentimeter nach oben geschlossen und der Faden innen im Schuh verknotet.


Zum Schluß werden 6 Löcher mit der Lochzange gemacht, um die Schuhbänder
einfädeln zu können.


Der fertige Schuh bekommt eine Wasserfest-Behandlung mit Öl.

Jetzt dürften Dir die Fingerkuppen weh tun - aber was ist das schon gegen das Gefühl,
selbst ein paar authentische Schuhe gemacht zu haben?
Und die sind 100% massgefertigt!

Guten Gelingen wünscht
- fabricus -
Fragen? Schreibt mir 'ne Mail!

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  © 20. März 2014 · thoMas ·