{Bauanleitung für Bänkchen im gotischen Stil}



Ein schwieriges Thema: Sitzmöbel - besonders, wenn man
keine Steckstühle oder Biertisch-Garnituren haben möchte :)
Worauf haben die Menschen im 12. Jhd Platz genommen?
Für höhergestellte Persönlichkeiten kommen Scherenstühle und Throne in Betracht
- ich als einfacher Handwerker muss wohl mit einer lehnenlosen Bank vorlieb nehmen...
Schöne Beispiele findet ihr hier: http://www.greydragon.org/library/gothicbench.html

Und so sieht meine Version eines solchen Bänkchens aus:

Arbeitsaufwand: circa 3 Stunden
Sitzhöhe: 40 cm
Sitzfläche: 25 mal 80 cm

Hier die Arbeitsschritte zum Nachbauen:
(auf die kleinen Bilder clicken für grosse Ansicht)
1. Die Rohmaterialien
- zwei Bretter Leimholz (800 x 250 x 28 mm)
- ein Brett (750 x 90 x 18 mm)

2. Das Werkzeug:
- Stichsäge
- Bohrmaschine mit Bohrer (10 mm)
- Stemmeisen und Hammer
- Raspel,Feile und Schleifpapier
- Holzleim

3. Die Arbeitsschritte:
- ein Leimholzbrett in der Mitte zersägen - das werden die Füße
- Zapfen ausklinken
   - ca. 50 mm weg vom Rand
   - Höhe: Materialdicke des Sitzbretts (hier: 28 mm)
   - Breite: doppelte Materialdicke (also ca. 50 mm)

- in jedem Fußteil einen Schlitz für das Querbrett ausklinken:
   - Tiefe: zwei Drittel der Bretthöhe des Querbretts (also 60 mm)
   - Breite: wie das Querbrett (hier: 18 mm)
- Schlitze im Querbrett ausklinken:
   - Tiefe: ein Drittel der Bretthöhe des Querbretts (also 30 mm)
   - Breite: wie das Leimholzbrett (hier: 28 mm)
   - ca. 10 cm Abstand zur Aussenkante

Querbrett und Fußbretter zusammenstecken - nun sollte das Ding bereits stehen!
Die Oberkante des Querbretts soll mit der neuen Oberkante der Fußteile
(also OHNE die Zapfen) eine Linie bilden!
Dieses zusammengesteckte Unterteil "kopfüber" mit den Zapfen mittig(!) auf das Sitzbrett stellen
und die Zapfen mit einem Stift umfahren und so auf das Sitzbrett abzeichnen.

- in jedes Eck der gezeichneten Vierecke ein Loch bohren, ohne(!) die Linien zu verletzen
- die Zapfenlöcher mit der Stichsäge aussägen, ohne(!) die Linien zu verletzen
- mit der Raspel bzw. Feile nacharbeiten, bis die Zapfen spielfrei hineinpassen

Tip: beim Raspeln werden immer Holzspäne aus der Kante herausgebrochen.
Das sieht dann unschön aus, daher immer von der Seite her raspeln, auf der man später sitzt!
So werden die Ausbrüche auf der Unterseite des Sitzbretts sein und sind später nicht mehr zu sehen :)
Wenn ihr nun das Bänkchen zusammensteckt, seid ihr eigentlich schon fertig!
Das solltet ihr auch tun, um anzuschauen, ob alle Teile gut zueinander passen.
Natürlich muss jetzt noch alles hübsch gemacht werden; dazu wird das Bänkchen wieder zerlegt.
VOR dem Zerlegen sollte man sich noch kennzeichen, welches Teil wie mit welchem Anderen zusammengesteckt war :)
Zuerst wird gesägt:
- die Fußteile bekommen unten jeweils einen, der Gothik angepassten Ausschnitt
- das Querbrett bekommt an den äußeren Kanten einen schönen Schwung

Alle Teile werden mit Schleifpapier geglättet (150er und 300er Körnung).
Zuletzt werden die Zapfen und die Schlitze für das Querbrett mit Holzleim eingestrichen
und alles wieder zusammengesteckt.
Nachdem der Leim trocken ist, sollte die Bank noch mit Leinöl oder Lack wetterfest gemacht werden...

Viel Erfolg beim Nachbauen!

Bitte lasst mich wissen, wenn diese Beschreibung unklar oder unvollständig ist!

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  © 20. März 2014 · thoMas ·